Landtag Hessen: Stellungnahme Lankau (August 2017)

Öffentliche mündliche Anhörung des Hauptausschusses und des Ausschusses für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwick­lung zum Thema DIGITALISIERUNG (19/4111; 192896; 194357)

Schriftliche Stellungnahme Lankau zu:

a) Dringlicher Antrag der Fraktion der FDP betreffend Hessen 4.0 – Agenda Digitales Hessen (Drucksache 19/4111)

b) Großen Anfrage der Abg. Eckert, Barth, Decker, Degen, Faeser, Frankenberger, Geis, Gremmels, Grüger, Lotz, Dr. Sommer, Weiß (SPD) und Fraktion betreffend Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeit und Wirtschaft in Hessen (Drucksache 19/2896) und

c) Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der Abg. Eckert, Barth, Decker, Degen, Faeser, Frankenberger, Geis, Gremmels, Grüger, Lotz, Dr. Sommer, Weiß (SPD) und Fraktion betreffend Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeit und Wirtschaft in Hessen (Drucksache 19/4357)

Drei Thesen als Denkanstoß

Diese Stellungnahme fokussiert auf Grundsatzfragen der Digitalisierung von Sozialeinrichtungen am Beispiel Schule und plädiert für eine Rückbesinnung auf Bildungseinrichtungen als sozialem Lernort. Drei Thesen zeigen die Problematik.

I Digitaltechnik als Technik der Gegenaufklärung

Digitaltechnik, wie sie derzeit aus dem Silicon Valley kommt, fokussiert nur auf Geschäftsideen und Renditen. Es werden immense Daten ohne Rechtsgrundlage erhoben und nach für die Nutzer nicht bekannten Kriterien ausgewertet. Mit den Modellen der Kybernetik und den Methoden von Big Data Analysis bzw. Data Sciences (Stichworte: Deep Learning, sogenannte „künstliche Intelligenz“) werden immer komplexere, intransparente Digitalsysteme für alle Lebensbereiche geschaffen. Das Ziel ist, sowohl ganze Gesellschaften zu steuern (Stichwort Governance) wie jeden einzelnen Menschen (Stichwort Nudging; synthetische Computerstimmen als Personal Coach). Der Mensch soll tun, was die Systeme ihm sagen. Das ist weder demokratisch legitimiert noch human.

II Lernen lässt sich nicht automatisieren.

Lernen ist ein individueller und sozialer Prozess. Am Computer lässt sich allenfalls Bestandswissen vermitteln und prüfen. Zudem: Alles, was man automatisiert per Lernsoftware am Computer lernen kann, um einen Job zu machen, kann auch ein Computer „lernen“, um diesen Job zu machen. Deshalb müssen (Hoch-) Schulen das vermitteln, was technische Systeme nie leisten werden: selbständiges und selbstbestimmtes Denken, kreatives Handeln, Verantwortung und Reflexion über das eigene Tun. Nur im sozialen Miteinander können Menschen diese Fähigkeiten entfalten.

III Informationstechnologie neu denken

Wir müssen IT neu denken. Die eingesetzten Systeme sind nicht zukunftsfähig, weil z.T. noch Code aus den 1970er Jahren die Basis bildet. der keine der heutigen Erfordernisse berücksichtigt. Alle IT-Systeme müssen von Grund auf neu aufgesetzt werden. Dabei gilt es, alternative Konzepte zu entwickeln. Statt Zentralisierung von immer mehr Daten in homogenen technischen Strukturen, die letztlich dem Mainframe-Konzept (heute Cloud Computing) folgen, müssen wir dezentrale, auch technisch diversifizierte Systeme aufbauen – und datensparsam werden. IT muss wieder zum Werkzeug des einzelnen Menschen werden statt ihn aus der Cloud heraus algorithmisch berechnet zu steuern.

Die gesamte Stellungnahme (24 S.) als PDF

Hessisscher Landtag: Stellungnahme Lankau August 2017

Siehe auch:
Hessischer Landtag (Hauptausschuss)
16. und 17.08. – Öffentliche Anhörung zu “Digitalisierung in Hessen”
Mittwoch, 16.08.2017, 10:00 Uhr bis Donnerstag, 17.08.2017, 16:00 Uhr
Downloads der Stellungnahmen: Ausschussvorlagen Teil 1 – 3