Schüler-ID, Bildungs-TÜV und das falsche Menschenbild

Auf dem Weg zur Konditionierungsanstalt in einer Schule ohne Lehrer

Prof. Dr. Ralf Lankau im Gespräch mit Peter Hensinger

Die Bundesregierung hat den Digitalpakt Schule 2.0 verabschiedet. Seine Ziele sind im Koalitionsvertrag festgelegt: Eine datengestützte Schulentwicklung, basierend auf einer Schüler ID mit dem Ziel des autonomen Unterrichts. Die Öffentlichkeit und selbst die Lehrerverbände realisieren noch immer nicht, was das bedeuten wird. Es findet keine Reflexion statt, welche Ideologie und pädagogische Konzeption diese Maßnahmen bestimmen und dass sie noch tiefer in die Bildungskatstrophe führen werden. Deshalb führten wir darüber ein ausführliches Interview mit dem Medienpädagogen und IT-Experten Prof. Ralf Lankau (HS Offenburg).

Im Koalitionsvertrag 2025 der Bundesregierung ist die Digital-Only-Gesellschaft für alle Lebensbereiche geplant, auch der digitale Umbau des Bildungswesens (Bild: Titelblatt Koalitionsvertrag und :pexels-cottonbro-8088493; bearbeiteter Ausschnitt).
Im Koalitionsvertrag 2025 der Bundesregierung ist die Digital-Only-Gesellschaft für alle Lebensbereiche geplant, auch der digitale Umbau des Bildungswesens (Bild: Titelblatt Koalitionsvertrag 2025 und Pexels cottonbro-8088493; bearbeiteter Ausschnitt).

Vorbemerkung: Es klingt erst einmal richtig und fürsorglich: „Wenn wir alles über den Lernweg eines Kindes wissen, können wir besser fördern.“ Genau dieses Argument übernimmt die Bundesregierung im Koalitionsvertrag – und macht die Schüler-ID, die den Bildungsverlauf speichert, verpflichtend. Niemand soll durchs Raster fallen. Cem Özdemir (GRÜNE) begrüßt die Einführung der Schüler-ID ausdrücklich – „damit kein Kind verlorengeht“. In Baden-Württemberg ist die Einführung der Schüler-ID für 2027/28 bereits geplant, in Niedersachsen bis 2027. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung heißt es:

„Unter Achtung der jeweiligen Zuständigkeiten wollen wir gemeinsam mit den Ländern für die nächste Dekade relevante und messbare Bildungsziele vereinbaren und eine datengestützte Schulentwicklung und das Bildungsverlaufsregister schaffen.“ Und weiter: „Die Einführung einer zwischen den Ländern kompatiblen, datenschutzkonformen Schüler-ID unterstützen wir und ermöglichen die Verknüpfung mit der Bürger-ID.“

Damit diese Daten lückenlos erhoben werden können, soll jedes Kind zuverlässig mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden: „Bedürftige Kinder werden verlässlich mit Endgeräten ausgestattet.“ (ebda.)

Was als Chancengerechtigkeit verkauft wird, bedeutet in der Konsequenz: Jedes Kind erhält eine lebenslang gültige Identifikationsnummer, ein digitales Bildungsprofil – und ein Gerät, über das Lernen, Leistung und Verhalten dauerhaft erfasst, ausgewertet und gespeichert werden können. Diese Daten sollen dann in die lebenslange Bürger-ID übernommen werden, ein digitaler Zwilling. Ein nicht unbedeutender Nebeneffekt: Die Datenerfassung erfolgt über das gesundheitsschädliche WLAN. Die Schüler – ID, so der Koalitionsvertrag, bildet auch die Grundlage für autonomes, von Algorithmen gesteuertes Lernen.

Für Prof. Dr. Ralf Lankau ist diese Entwicklung kein pädagogischer Fortschritt, sondern ein grundlegender Irrweg. Er kritisiert die Schüler-ID als Ausdruck eines falschen pädagogischen Konzepts und eines neoliberalen Menschenbildes, das Kinder nicht als sich bildende Subjekte, sondern als zu vermessendes Humankapital betrachtet. Statt Bildung drohe Zurichtung, statt Förderung Totaldiagnostik, statt Mündigkeit ein Bildungs-TÜV. Die Schüler-ID, so Lankau, verhindere nicht, dass Kinder verlorengehen – sie verliert aus dem Blick, was Bildung eigentlich ist.

Im folgenden Interview erklärt Prof. Lankau,

  • warum die Schüler-ID keine pädagogische, sondern eine kybernetisch-ökonomische Idee ist, um Kinder lückenlos zu erfassen, zu vermessen und ihre Verwertung vorzubereiten.
  • weshalb der „gläserne Schüler“ eine Form der Dehumanisierung darstellt,
  • und warum Schule sich wieder auf Bildung, Beziehung und Selbstbestimmung besinnen muss.Grafik 1: Dr. phil. Ralf Lankau, Professor für Mediengestaltung (Print/Screen) und Medientheorie an der Hochschule Offenburg (Bilder: Beltz-Verlag,

Das Interview

Buchtitel Lankau im Beltz-Verlag (Bilder: Cover Beltz-Verlag)
Buchtitel Lankau im Beltz-Verlag (Bilder: Cover Beltz-Verlag)

Peter Hensinger: Herr Professor Lankau, die Schüler-ID wird politisch mit einem scheinbar überzeugenden Argument eingeführt: Wenn man den Lernweg eines Kindes vollständig kennt, kann man gezielt fördern. Cem Özdemir (GRÜNE) sagt, sie sei notwendig, damit kein Kind verlorengeht. Was ist aus Ihrer Sicht daran problematisch?

Ralf Lankau: Dieses Argument wirkt fürsorglich, folgt aber einer falschen Logik. Dahinter steht ein mechanistisches Verständnis von Lernen, wie man es aus dem Sport kennt. Man übt bestimmte Bewegungsabläufe, etwa beim Weit- oder Hochsprung und springt dann weiter oder höher. Übertragen auf das Lernen von anderen Inhalten wird unterstellt, man brauche nur die notwendigen Analysen und Methoden und käme damit zum – vordefinierten – Ziel.

Das ist die Logik der empirischen Bildungswissenschaft: Daten sammeln, analysieren und auswerten, Methoden entwickeln und variieren, um die Prozesse und die Ergebnisse zu optimieren und fertig ist das „Produkt“, der Schüler, die Schülerin mit prüfbaren Kompetenzen. Die Schüler-ID ist nach diesem Verständnis einfach das mitlaufende Produktionsblatt, auf dem alle Lernleistungen, Fördermaßnahmen und Ergebnisse protokolliert werden. Diese Denkschemata kommen aus der Betriebswirtschaft und dem Qualitätsmanagement (QM) der produzierenden Industrie, ergänzt um (lern)psychologische Modelle der Probandensteuerung durch Psychotechniken, Stichwort „programmiertes Lernen“ der 1950er Jahre.

Verloren geht der Mensch als Individuum und der soziale Kontakt des Lernens in der Klassen- und Schulgemeinschaft, vor allem aber die Basis erfolgreichen Lernens: soziale und emotionale Bindung und Beziehung. Die Schüler-ID steht nicht für pädagogische Nähe, sondern für die Datafizierung von Lernprozessen und folgt der Logik der informatischen Datenerfassung und -verarbeitung.

Die Kollegin Hartong hat diese Verkehrung der Logik (Wir brauchen mehr Daten, bessere Daten zu Lasten pädagogischer und didaktischer Prozesse) schon vor Jahren beschrieben. (Hartong 2019) Dirk Ifenthaler macht daraus gleich eine eigenständige Disziplin, die „Bildungsdatenwissenschaft!“ mit Fokus auf Datensammlung und Statistik statt Pädagogik:

„Die zunehmende Digitalisierung und die damit verbundene Verfügbarkeit großer Datenmengen eröffnen neue Möglichkeiten, Einblicke in Bildungsprozesse zu gewinnen. Bildungsdatenwissenschaft wird definiert als die Anwendung von Methoden aus der Informatik, Statistik und verwandten Disziplinen auf pädagogische Phänomene.“ (Ifenthaler 2025)

Peter Hensinger: Dieses Vermessen erinnert mich an den Fordismus und Taylorismus vor 100 Jahren, um Arbeitsprozesse und menschliche Tätigkeit zu standardisieren!

Ralf Lankau: Ja, eine gute Analogie. Gefordert wird z.B. die „Diversifizierung der Bildungsdatenwissenschaft in Forschungsstränge wie Missbildungsrate und Lernanalytik “. Das ist Teil einer Logik, Bildungsprozesse verdaten und auf messbare Größen reduzieren zu können und daraus Daten zu pädagogischer Qualität ableiten zu können. Auch der aktuelle Koalitionsvertrag spricht von „messbaren Bildungszielen“, „datenbankgestützter Schulentwicklung“ und fordert dafür ein „Bildungsverlaufsregister“, in dem alle Stationen, Leistungen, Fördermaßnahmen etc. verzeichnet sind.

Damit wird Bildung implizit als plan- und steuerbarer Prozess verstanden, der – und in den USA gibt es erste Schulen ohne Lehrkräfte – an Avatare ausgelagert werden kann. Schülerinnen und Schüler (SuS) sitzen am Display, werden „individualisiert“ (d.h. algorithmisch berechnet) beschult und kommen dann quasi automatisch zum gewünschten Lernziel. Als wären sie Lernmaschinen, die nur den richtigen Input bräuchten, um den gewünschten Output zu produzieren.

Das ist weder menschlich noch pädagogisch gedacht. Lern- und Bildungsprozesse sind aber kein linearer Entwicklungsweg, sondern ein offener, widersprüchlicher, oft krisen- und auch sprunghafter Prozess. Gerade wenn es um mehr geht als Repetition, um Verstehen von Kontexten, weiß jeder aus der eigenen Erfahrung und Lerngeschichte, dass man bestimmte Zusammenhänge und Strukturen etwa der Sprache oder Geschichte erst im Nachhinein und mit Abstand versteht. Verstehen, nicht Repetieren ist die Basis für Bildung.

Peter Hensinger: Die Schüler-ID wird von Politik und Bildungsverwaltung als rein technisches Hilfsmittel und Organisationsinstrument dargestellt. Warum halten Sie die ID für pädagogisch hoch problematisch?

Ralf Lankau: Weil sie kein neutrales Organisationsinstrument ist, sondern Ausdruck eines Paradigmenwechsels. Wir kennen das Prinzip der Datafizierung von Bildungsbiografien schon vom ersten Digitalpakt Schule, damals unter dem Namen HPI Schul-Cloud (https://blog.dbildungscloud.de/landing-page-about/2016; heute online unter: „dbildungscloud_ https://blog.dbildungscloud.de/), aus der nach den Vorstellungen des damaligen HPI-Leiters Christoph Meinel die bundesweite Bildungscloud werden sollte. auch die Schüler-ID steht für die Datafizierung von Bildungswegen auf Basis von kleinteiligen Lernstandvermessungen. Sie steht für die Idee, Lernprozesse, Bildungsbiografien und Persönlichkeitsentwicklung vollständig messbar, vergleichbar und steuerbar zu machen. Damit wird Schule nicht mehr als offener pädagogischer Raum gedacht, sondern als steuerbares System, das Absolventen mit validierten Kompetenzen entlässt, als qualitätsgesichertes Produkt. Aus Schülerinnen und Schüler werden systemintern Datensätze, die durch entsprechende Intervention auf ein vordefiniertes Ziel hin optimiert werden. Bildung wird zum Prozess der Normierung und Standardisierung. Sogar die Bildungsinhalte sind austauschbar, weil diese Systeme daraufhin ausgelegt werden, beliebige Ziele mit Hilfe entsprechender Methoden zu erreichen.

Ich habe das zugespitzt als „Bildungs-TÜV“ bezeichnet: regelmäßige Vermessung, Prüfung, Zertifizierung – mit dem impliziten Ziel, Verwertbarkeit her- und das gewünschte Prüfergebnis festzustellen.

Peter Hensinger: Befürworter argumentieren, es gehe dabei gerade um bessere individuelle Förderung, Transparenz und Chancengerechtigkeit. Was ist daran aus Ihrer Sicht falsch?

Ralf Lankau: Transparenz und Chancengerechtigkeit klingt gut, aber wer die Publikationen dazu kennt, weiß, dass davon in der Praxis nicht die Rede sein kann. Genannt seien nur die Bücher von Mandy Schiefner-Rohs et.al., die unter dem Titel „Datafizierung (in) der Bildung“ kritische Perspektiven der digitalen Vermessung in pädagogischen Kontexten aufzeigen. Oder das Buch „Die datafizierte Schule“, herausgegeben von Annekathrin Bock et.al, beide als Open Access und im Netz als PDF abrufbar. Dort werden die Prozesse und Folgen der Datafizierung von Bildungseinrichtungen und Bildungsprozessen sehr kontrovers problematisiert.

Im Kern aber wird deutlich, dass eine „datengestützte Schulentwicklung“ nicht der Logik der Pädagogik folgt, sondern der Logik der Datenökonomie und Prozessoptimierung der herstellenden Industrie. Dort gelten Parameter wie „Mehr Daten sind besser als weniger Daten“ oder „Wir brauchen Data Stewards als Spezialisten für das Datenmanagement, für das Datenhandling und die Qualitätskontrolle der Daten“ etc. Pädagogische Stellen werden umgewidmet in IT-Stellen. Denn der Fokus liegt auf der Generierung und Validierung von Daten, nicht mehr auf Unterricht, Vermittlung und Verstehen. Förderung wird hier verwechselt mit datenbasierter Diagnostik, Ziel ist Prognostik.

Aus pädagogischen Prozessen und Erziehung zur Mündigkeit wird datengestützte Konditionierung auf messbare Ziele und Leistungsvermessungen. Pädagogische Prozesse sind aber weder linear noch berechenbar. Algorithmische Prognosen reduzieren das Individuum auf ein Objekt mit bekannten Attributen und erwartbaren Ergebnissen. Nur: Viele Menschen, die später gesellschaftlich bedeutsam wurden, waren im System Schule „auffällig“, „schwach“ oder „nicht normgerecht“: Schulversager, der bekannteste in Deutschland ist wohl Albert Einstein. Denn das Messbare ist im pädagogischen Alltag nur ein Nebenaspekt.

Nicht alles, was zählt, kann gezählt werden, und nicht alles, was gezählt werden kann, zählt“ wird als Zitat meist Albert Einstein zugeschrieben, stammt aber wohl von William Bruce Cameron (1963). Die Schüler-ID verengt Lernen und Bildungsprozesse auf das, was messbar ist – und erklärt „alles Andere“ für das System für irrelevant.

Peter Hensinger: Was ist das „alles Andere“?

Ralf Lankau: Was durch die Schüler-ID nicht erfasst wird und nicht erfasst werden kann, sind die wesentlichen Dinge: Persönlichkeitsbildung etwa. Diese vollzieht sich dort, wo Lernen nicht standardisiert, nicht planbar und nicht automatisiert messbar ist. Kinder und Jugendliche entwickeln sich zu Persönlichkeiten vor allem in Beziehungen: im Gespräch mit Lehrkräften, in Freundschaft, im Streit und Versöhnung mit Mitschülerinnen und Mitschülern, im Erleben von Anerkennung, Lob und Kritik. Diese Erfahrungen und Rückmeldungen entstehen im Unterricht, aber auch in Pausen, in gemeinsamen Projekten, bei Klassenfahrten , im Mannschaftssport oder beim Musizieren. Sie lassen sich nicht in Daten übersetzen.
Zentral sind dabei jene Schulfächer, die auf Sprache, Sinn und Orientierung zielen.

In Deutsch lernen Kinder nicht nur Texte zu analysieren, sondern eigene Gedanken zu formulieren, Gefühle auszudrücken und selbst Geschichten zu erzählen. Literatur, Gedichte und Erzählungen eröffnen Perspektiven auf andere Lebenswelten und fördern Empathie und Phantasie – nicht messbar, nicht standardisierbar, aber für nicht nur junge Menschen prägend.

In Geschichte und Politik lernen Schülerinnen und Schüler, Zusammenhänge zu verstehen, Widersprüche auszuhalten und eigene, reflektierte Urteile zu bilden. Demokratische Prinzipien und Freiheit(en) lassen sich nicht testen wie Rechenaufgaben – sie müssen selbst praktiziert, um verstanden und erlebt zu werden.

Ethik, Religion und Philosophie sind Räume für Sinnfragen, Gewissensbildung und moralisches Nachdenken. Hier entsteht Haltung, nicht Kompetenz im technischen Sinn. Insbesondere Kunst, Musik und Theater fördern Kreativität, Ausdruck, Selbstvertrauen und das Erleben von wechselseitiger Resonanz im Spiel miteinander – Fähigkeiten, die sich nicht normieren lassen, aber für ein gelingendes Leben zentral sind.

Ebenso wichtig sind pädagogische Maßnahmen jenseits des Fachunterrichts: projektorientiertes Lernen etwa, Diskussionen und Debatten, die Beteiligung an Klassen- oder Schülerräten. Das sind Praxisbeispiele für soziales Lernen, gemeinsames Arbeiten an offenen Fragestellungen. Hier lernen Kinder, zuzuhören und selbst zu argumentieren, zu widersprechen und Meinungsunterschiede oder -gegensätze auszuhalten, Verantwortung zu übernehmen und Teil einer Gemeinschaft zu sein.

All das ist nicht automatisierbar, nicht messbar. Aber genau hier bildet sich Persönlichkeit. Wer Bildung auf Daten reduziert, erklärt diese Dimensionen implizit für nebensächlich – und verliert aus dem Blick, dass Schule nicht nur auf den Arbeitsmarkt und zu erbringende Leistung vorbereitet, sondern Menschsein für eine demokratische Gesellschaft und das Agieren in sozialen Gemeinschaften erzieht und bildet

Peter Hensinger: Sie sprechen von einem falschen pädagogischen Konzept. Was genau meinen Sie damit?

Ralf Lankau: Das zugrunde liegende Konzept ist kybernetisch und letztlich seit Galileo Galilei mechanistisch gedacht, nicht pädagogisch. Kybernetik ist ja die Steuerungskunst, der Kybernetiker der griechische Steuermann. Norbert Wieners Kybernetik von 1948 ist der Versuch und die Behauptung, dass man nicht nur Maschinen, also technische Systeme, sondern auch Lebewesen (alle Organismen) und Sozialgemeinschaften mit den gleichen mathematischen Modellen regeln und steuern könne. Das Ziel der Macy Conferences von 1946-1953 war eine Universalwissenschaft für alles: Technik, Computer, Organismen, sogar das menschliche Gehirn und Sozialsysteme. Aus der Kybernetik, 1956 umbenannt in Artificial Intelligence (AI), wurden die Subsysteme der Steuerungs- und Regelungstechnik, der Psychotechnik, des Behaviorismus und der Betriebswirtschaft abgeleitet.

Die zentrale Annahme lautet: Wenn man nur genug misst, kann man Verhalten und Prozesse steuern, optimieren und vorhersagen. Übertragen auf Schule bedeutet das: Lernen wird als Input-Output-Prozess verstanden. Der Mensch erscheint als lernende Maschine, die man nur richtig programmieren, konditionieren und justieren müsse. Das ist das Gegenteil von Bildung als Selbstbildung im persönlichen Reifungsprozess, sondern Zurichtung oder Drill.

Peter Hensinger: „Zurichtung“ ist ein hartes Wort. Was meinen Sie damit? Unsere Lehrer dressieren Schüler doch nicht!

Ralf Lankau: Nun, die harte Variante der Zurichtung kennt man noch aus der Geschichte der deutschen Lehranstalten, samt der drastischen Maßnahmen der Züchtigung und Prügelstrafe. Das läuft heute natürlich subtiler, über Zuwendung und Lob oder Missachtung, Ausgrenzung etc. Zurichtung meint Anpassung von Menschen an vorgegebene Anforderungen, statt ihre Selbstständigkeit zu entwickeln. Am extremsten ist es beim Militär mit klaren Hierarchien und Befehlsketten, aber das Prinzip der Ein- und Unterordnung in ein hierarchisches System gilt auch für die Schule. Schülerinnen und Schüler wollen ja dazugehören, Teil der Gemeinschaft sein und ordnen sich entsprechend ein und unter. Das ist ein sozialer Prozess, den Schülerinnen und Schüler aber durch ihr eigenes Verhalten beeinflussen – oder auch ablehnen können. Diese Freiheit hat man ja in sozialen Systemen.

Die Schüler-ID hingegen ist Teil eines Systems, den Schülerinnen und Schüler nicht beeinflussen können – außer durch Erbringung der geforderten Leistung und Anpassung. Dadurch werden junge Menschen frühzeitig nach Leistungsmerkmalen – und Anpassungsbereitschaft – sortiert und klassifiziert. Kompetenzen werden nicht um ihrer selbst willen gelernt, sondern als Nachweis der eigenen Funktionalität als Humankapital: Ich funktioniere und kann, was erwartet wird. Das entspricht dem neoliberalen Menschenbild: Der Wert eines Menschen bemisst sich nach seiner ökonomischen Nützlichkeit und Verwertbarkeit. Schulische Bildung wird zur Vorstufe der Berufsausbildung degradiert, nicht als Befähigung zur Mündigkeit und eigenen Entscheidungsfreiheit.

Leistungsabsturz trotz (oder wegen?) der MINT-Orientierung (Grafik:diagnose:funk)
Leistungsabsturz trotz (oder wegen?) der MINT-Orientierung (Grafik:diagnose:funk)

Peter Hensinger: Welche Rolle spielt dabei die aktuelle Fixierung auf MINT-Fächer?

Ralf Lankau: Die Fixierung oder besser: Reduktion auf MINT- oder WiMINT-Fächer, wenn man die Wirtschaft zur Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik dazunimmt, ist eine komplette Fehlentwicklung und Verkürzung von Allgemeinbildung, die ursprünglich das Thema der allgemeinbildenden Schulen war, hin zur Berufsvorbereitung – und selbst dort nur auf ein Segment der Berufe. Denn es gibt ja nicht nur technische, sondern auch soziale Berufe, den ganzen Dienstleistungsbereich oder die Kultur und Kunst. MINT-Fächer gelten als wirtschaftlich relevant, also werden sie privilegiert. Was dabei marginalisiert wird, sind Sprache und Ausdrucksvermögen, Kommunikationsfähigkeit auch in Fremdsprachen, Kunst als Experimentierfeld für Kreativität und Phantasie, Philosophie und Ethik, um Werte zu entwickeln, Geschichte, um Ereignisse historisch einordnen zu können etc. – also genau jene Bereiche, die Orientierung, Kritikfähigkeit und Empathie fördern, die für ein Leben und Arbeiten in Gemeinschaft notwendig sind.

Dazu kommt, dass diese Fixierung auf MINT-Fächer viel zu kurz springt: Was heute an Informatik gelernt wird ist morgen schon obsolet. Ein Großteil an Programmen wird schon heute von KI-Tools geschrieben. Was – vermutlich, die Berufsbilder ändern sich ja rasant – gebraucht wird , sind Menschen, die präzise und logisch „prompten“, also eindeutig formulieren können. Dazu brauchen sie einen großen Wortschatz, Analyse- und Ausdrucksfähigkeit und Sprachvermögen. Um es zu poinieren: Wer in der Lage ist, die Struktur einer Sprache, ihre Syntax, und ihre Bedeutungsebene, die Semantik, zu analysieren und zu verstehen, kann mit dem Instrumentarium der Semiotik Programmcode genauso lesen und verstehen wie Gedichte interpretieren.

Aber unsere Schülerinnen und Schüler lesen immer weniger, immer schlechter und können vor allen nicht sinnentnehmend lesen, verstehen also nicht, was sie lesen und was es bedeutet. Ein Fokus von Schule müsste also auf dem Lesen liegen.

Aber 2009 legte die KMK den Schwerpunkt auf die MINT Fächer. Das war und ist ein Bumerang. Das Ergebnis ist ein Absturz der Grundfertigkeiten in allen Fächern, denn ohne Sprachverständnis – auch Mathematik ist eine Sprache – und Lesefähigkeit als Fähigkeit, abstrakte Zeichen (Buchstaben, Partituren, Code) in Sinn zu verwandeln, können sich Schülerinnen und Schüler in keinem Fach entwickeln.

Seit über 20 Jahren: Kritik an der neoliberalen Ausrichtung des Schulwesens, eine Ursache der Bildungskatastrophe
Seit über 20 Jahren: Kritik an der neoliberalen Ausrichtung des Schulwesens, eine Ursache der Bildungskatastrophe

Peter Hensinger: Sie sprechen explizit von einem neoliberalen Menschenbild. Wie zeigt sich das konkret in der Schüler-ID?

Ralf Lankau: Nach unserem tradierten, christlichen und humanistischen Verständnis des Menschen ist jeder Mensch sein eigener Zweck als Person und Persönlichkeit und darf nicht verzweckt, benutzt, missbraucht werden. Das neoliberale Menschenbild reduziert den Menschen hingegen auf seine Funktion als Arbeitnehmer (das müsste eigentlich Arbeitgeber heißen, eine andere Diskussion) und einsetzbares Humankapital. Der Wert eines Menschen bemisst sich demnach nach seiner Funktionalität und Verwertbarkeit im Arbeitsprozess und seiner validierten Kompetenzen: was kann jemand, was bringt es dem Arbeitgeber (müsste eigentlich Arbeitnehmer heißen), diesen Menschen zu beschäftigen und für seine Arbeitsleistung zu bezahlen.

Der Mensch wird zum Teil des Produktionsprozesses und letztlich selbst Teil der Maschinerie, die etwas produziert – zumindest Mehrwert für den Arbeitgeber. Das ist das utilitaristische und letztlich inhumane Denken der Chicago School of Economics: Bildungseinrichtungen produzieren Humankapital, das möglichst passgenau an Arbeitsmärkte angepasst wird. Die späteren Arbeitgeber nehmen über ihre Verbände und Stiftungen Einfluss auf die Lehrinhalte, Schule wird zum vorgelagerten Ausbildungsbetrieb statt ein Ort der Allgemeinbildung zu sein, der die Kulturtechniken und Fachinhalte möglichst breit vermittelt, ohne bereits eine spätere Berufsausbildung zu präferieren, auch wenn Wirtschafts- oder Technische Gymnasien diese Verkürzung bereits im Namen tragen. Der Mensch wird nach neoliberalen Vorgaben nicht mehr als Zweck an sich, sondern als Mittel für ökonomische Ziele betrachtet.

Peter Hensinger: Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung und insbesondere Künstliche Intelligenz (KI)?

Ralf Lankau: Dazu muss man differenzieren, über was wir sprechen. Digitale Systeme sind seit über 40 Jahren in Schulen im Einsatz, mit den immer gleichen Versprechen: Sie seien modern, motivations- und lernförderlich. Das ist nicht der Fall, wie die Meta-Studien von John Hattie zeigen, die – etwas salopp formuliert – zu dem Ergebnis kommen: Digitale Geräte und Medien sind kein Wert an sich, es kommt darauf an, was man damit macht, abhängig vom Alter der Schülerinnen und Schüler, der Schulform und dem Fach. Man muss differenzieren statt nur pauschal zu „digitalisieren“.

Gleiches gilt für KI: Diese Technik ist ja über 70 Jahre alt, wir sprechen heute vom dritten KI-Hype, nach 1950 (das war das „programmierte Lernen“) und den 1980er-Jahren, das waren die Expertensysteme. Damit arbeiten wir heute noch sehr effektiv in der Wirtschaft und Wissenschaft, in der Produktion, bei Verkehrsleitsystemen, bei Wetter- oder Klimaprognose etc. Entscheidend bei Expertensystemen ist, dass Experten VOR den Bildschirmen sitzen, wissen, was Rechner können und was nicht und vor allem, dass die Ergebnisse der KI-Programme von Experten beurteilt werden müssen.

Peter Hensinger: KI – Expertensysteme gelten als technischer Fortschritt. Warum sollen Schüler nicht lernen, sie anzuwenden, bei Hausaufgaben und wie Bertelsmann vorschlägt, selbst in Prüfungen?

Ralf Lankau: Weil Schülerinnen und Schüler keine Experten sind. Bei „generativer KI“ (genAI) und Bots wie ChatGPT von Open AI, über die wir seit November 2022 u sprechen, sind die oben genannten Parameter außer Kraft gesetzt. Schüler nutzen Tools ohne Vor- und Fachsiwssen und geben ihr Denken an die KI ab. Der Begriff dafür ist „kognitive Schuld“. Damit wird ein Zustand beschrieben, bei dem die an eine KI ausgelagerte „Denkarbeit“ die eigene Lernfähigkeit und kritische Auseinandersetzung mit einem Thema beeinträchtigt oder sogar verhndert.

Dazu kommt: KI simuliert Intelligenz ja nur mit Hilfe von Mustererkennung, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik. Wenn ein Bot einen Text zusammenbaut, dann benutzt er die wahrscheinlichsten Silben und Wortteile, die sogenannten Token. Aber es bleiben Texte, die nach Parametern aus Wahrscheinlichkeit und Statistik zusammengesetzt sind. Statistik ist aber keine Semantik. Und Bots generieren „Antworten“, auch wenn keine Datenbasis vorhanden ist. Dann halluzinieren bzw. konfabulieren sie Antworten und generieren auf Anfrage z.B. auch falsche Quellen. Wenn Schülerinnen und Schüler prompten und die Ergebnisse bewerten wollen, müssten sie jede Aussage erst noch verifizieren. Methodisch und didaktisch ist es intelligenter, gleich mit validen Fachdatenbanken und wissenschaftlichen Publikationen zu arbeiten.

Peter Hensinger: Gerade lese ich in der konservativen Stuttgarter Zeitung: „Dank künstlicher Intelligenz (KI) lässt sich das Denken nun outsourcen. KI wird wie der liebe Gott des Mittelalters: Man versteht nicht, wie ihre unerforschliche Weisheit entsteht, aber sie hat auf alles eine Antwort. Bilderfixierung plus KI-für unsere Denkfähigkeit ist das eine toxische Kombination“ (Geldner 2026). Und das soll jetzt Grundlage der Erziehung werden, empfehlen Bertelsmann und 11 Ministeriale in einem Grundsatzpapier.

Ralf Lankau: Und was den meisten noch gar nicht bewusst ist: Das Netz wird geflutet mit KI-generiertem Nonsens aus Bot-Fabriken, dem sogenannten AI-Slop: Texte, Bilder und Videos von niedriger inhaltlicher Qualität, die massenhaft mit Hilfe von künstlicher Intelligenz generiert werden, um damit wiederum die LLMs zu füttern. Bots produzieren für Bots und reproduzieren rasend schnell und beliebig viel Unsinn, ohne irgend eine Qualitätskontrolle der Inhalte. Das ist Teil der Propaganda-Strategie „Flood the zone with shit“. Letztlich weiß niemand mehr, was noch echt und was „AI shit“ ist. Das ist Teil der Propaganda-Strategie – und die Bots sind damit ungeeignet für Unterrichtszwecke.

Peter Hensinger: Ein Aspekt wird fast nicht beachtet, in einer neuen Studie weist Greenpeace nach, dass di KI ein Klimakiller ist. Die Schüler arbeiten also unbewusst an der Zerstörung der Lebensgrundlagen mit.

Ralf Lankau: Schule müsste gerade heute ein Umweltbewusstsein vermitteln und gleichzeitig wird mit der KI eine ressourcenfressende Technologie im Unterricht eingeführt. Es werden riesige Rechenzentren geplant, enorme Ressourcen (Wasser, Fläche, Rohstoffe) verbraucht und sogar Atomkraftwerken zur Stromerzeugung nur für diese Rechenzentren gebaut oder reaktiviert, selbst kollabierte Meiler wie Three Mile Island.. Und es werden Unmengen an Kapital verbrannt Nur ein Beispiel: Open AI vergibt, bei einem geschätzten Jahresumsatz von 13 Mrd. Dollar im Jahr 2025, Aufträge für Rechenzentren, Speicherchips und Strom für 1,5 Billionen US-Dollar: das Hundertfache des Jahresumsatzes. (Dieckhoff, Jahn, 2026).

Peter Hensinger: Nochmals zur Schüler-ID. Die Kultusministerien versichern, Datenschutz sei gewährleistet. Warum überzeugt Sie das nicht?

Ralf Lankau: Zum einen: Mit der Schüler-ID, Bildungscloud und KI-gestützter Auswertung entsteht eine Infrastruktur, die automatisierte Entscheidungen ermöglicht: Förderempfehlungen, Laufbahnprognosen, Selektion etc. Pädagogische Verantwortung wird dabei systematisch an Algorithmen delegiert. Zum anderen ist gar nicht geklärt, welche Daten genau erhoben und wie sie ausgewertet werden, wer Zugriff darauf hat und wer nicht etc.

Gerade bei Daten von Minderjährigen müssten aber gegensätzliche Parameter gelten: Datensparsamkeit, sehr strenge Regeln für Datenerfassung und -auswertung und verbindliches Löschen nicht (mehr) benötigter Daten. Sonst ziehen junge Menschen einen Rattenschwanz an nicht (mehr) relevanten Daten und Auswertungen hinter sich her – was ihnen womöglich die Zukunft verbaut, weil dieser Datensatz bei Bewerbungen vor ihnen selbst da ist.

Stattdessen werden die Institutionen datengläubig, obwohl Daten ohne Kontext sinnlos sind und immer interpretiert werden müssen. Und diese Interpretation ist eben nicht vorurteilsfrei oder objektiv, sondern durch grundsätzliche Einstellungen bestimmt. In der Süddeutschen Zeitung wurde gerade eine Studie publiziert, der Titel: „Warum Forscher aus denselben Daten entgegengesetzte Schlüsse ziehen. Einstellungen und Meinungen von Forschern können die Ergebnisse ihrer Studien beeinflussen – selbst dann, wenn sie wissenschaftlich sauber arbeiten. “ (Herrmann 2026) Diese Vorurteile sind auch in Algorithmen und KI-Tools enthalten und was im Datensatz steht, ist kaum mehr zu löschen. Vorurteile bestimmen damit möglicherweise die Beurteilung junger Menschen.

Peter Hensinger: Nochmals zurück zum Datenschutz. Es wird versichert, die Daten seien anonym, daher könnten aus den digitalen ID-Zwillingen keine Rückschlüsse gezogen werden.

Ralf Lankau: Datenschutz ist in solchen Systemen eine Illusion. Anonymisierung und Pseudonymisierung sind technisch leicht aufhebbar. Jeder größere Datensatz kann mit entsprechendem Aufwand re-personalisiert werden. Laut US-Studien zur Re-Personalisierung von anonymisierten Gesundheitsdaten genügen drei Datenpunkte. Jetzt kann man mal überlegen, wie viele Datenpunkte ein Datensatz enthalten muss, damit er überhaupt aussagekräftig ist.

Viel gravierender ist aber die politische Dimension: Wer solche zentralen Datenpools aufbaut, schafft ein Machtinstrument. Der Chaos Computer Club spricht zu Recht von einem „Diktaturbesteck“. Man muss sich nicht fragen, ob solche Daten missbraucht werden, sondern nur wann und von wem. Wer realisiert, dass weltweit immer mehr demokratische Staaten in autokratische Strukturen zurückfallen und selbst die USA derzeit despotische regiert werden, ist eine der wichtigsten Fragen: Wie verhindert man schon jetzt, dass Daten Minderjähriger in die Hände von Autokraten gelangen können? Ich empfehle dazu das Buch „NSA – Nationales Sicherheits-Amt“ ein Roman von Andreas Eschbach aus dem Jahr 2018. Bildungsdaten von Kindern sind hochsensibel. Sie dürfen weder in die falschen Hände gelangen noch länger als unbedingt nötig gespeichert werden.

Peter Hensinger: Welche psychologischen Folgen hat der „gläserne Schüler“?

Ralf Lankau: Ein Mensch, der weiß, dass er permanent beobachtet wird, verhält sich anders. Das bekannteste Beispiel dafür ist Benthams Panopticon. Dabei muss gar kein Aufseher da sein. Wer sich beobachtet glaubt, wird vorsichtiger, angepasster, verhält sich erwartungskonform. Im Kontext Schule agieren junge Menschen dann unfrei, haben Ängste, Fehler zu machen. Fehler werden vermieden, nicht als Lernchance begriffen.

Lernprozesse brauchen aber Mut zum Risiko, Scheitern ist Teil des Lernens und sollte dazu anregen, es wieder und vielleicht mal anders zu probieren. Der Schüler unter ständiger Beobachtung lernt früh, vorgegebene und risikoarme Wege zu gehen und sein Lernverhalten dahingehend zu optimieren, dass er mit möglichst wenig Aufwand zum vorgegebenen Ziel kommt. Lernprozesse werden aufwands- und ergebnisoptimiert und nicht dahingehend angelegt, das Verstehen von Prozessen und Zusammenhängen zu vertiefen. Das ist eine subtile, aber tiefgreifende Dehumanisierung und Verzweckung des Lernens.

Peter Hensinger: Was steht gesellschaftlich durch diese Digitalisierung der Bildung auf dem Spiel?

Ralf Lankau: Sehr viel. Eine Gesellschaft, die ihre Kinder auf Selbstoptimierung für den Arbeitsmarkt auf Verzweckung und Verwertbarkeit trimmt, produziert keine mündigen Bürger, sondern funktionierende Untertanen. Demokratie aber lebt von Menschen, die mehr sind als nur Funktionsträger und Konsumenten. Sie müssen lernen, selbst zu denken, zu diskutieren und zu widersprechen und Verantwortung übernehmen. Wir müssen den Diskurs und die sachliche Kontroverse trainieren, nicht den Konsens.

Cover Reclam-Verlag und Screenshot re:publica 25
Cover Reclam-Verlag und Screenshot re:publica 25

Peter Hensinger: Die Schüler-ID ist ja nur der Anfang. Der Koalitionsvertrag sieht ausdrücklich vor, dass sie in eine Bürger-ID übergeht. Die Daten bleiben also dauerhaft personalisiert gespeichert. Der Ethiker Rainer Mühlhoff warnt, dass damit strukturell und ideologisch die Voraussetzungen für autoritäre, sogar faschistische Herrschaft geschaffen werden. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ralf Lankau: Ja, leider, Mühlhoff analysiert nüchtern. Er zeigt sehr klar, dass digitale Identitätssysteme keine neutralen Werkzeuge sind. Sie erzeugen Vorhersagemacht: die Fähigkeit, Verhalten zu prognostizieren, zu klassifizieren und nach Bedarf gezielt zu beeinflussen. Entscheidend ist dabei nicht die aktuelle politische Absicht, sondern die Infrastruktur, die geschaffen wird. Wer lebenslang identifizierbare Bildungs- und Verhaltensdaten speichert, schafft eine Machtbasis, die in autoritären politischen Konstellationen sofort nutzbar ist. Die Geschichte zeigt: Solche Strukturen werden nie wieder abgebaut, sondern nur anders genutzt.

Die Schüler- wie die Bürger-ID ist die Gewöhnung an die Verdatung der eigenen Biographie und die Beurteilung und Steuerung meines Lebens durch algorithmische Systeme. Sie ist ein zivilisatorischer Richtungsentscheid zur datengestützten Steuerung der Einzelnen wie der Gesellschaft durch „Empfehlungen“ (Nudging) oder strikte Vorgaben.

Wer Kinder von klein auf daran gewöhnt, dass Lernen, Verhalten und Leistung kontinuierlich dokumentiert werden, formt Subjekte, die sich selbst als Objekte der Bewertung begreifen. Das ist eine subtile, aber tiefgreifende Form der Entmündigung. Harald Welzer warnte schon 2016 in seinem Buch „Die smarte Diktatur“ vor diesem Selbstentmündigungsfatalismus.

Peter Hensinger: Kommunen wie Stuttgart investieren Millionen in die Digitalisierung von Kitas und Schulen. Sind Städte damit Teil dieses Problems?

Ralf Lankau: Ja, auch wenn es oft nicht bewusst geschieht. Die Artikelserie von Stuttgart Ökologisch Sozial zum „39 Millionen Skandal “ zeigt sehr deutlich, dass diese Investitionen meist ohne Technikfolgenabschätzung beschlossen werden. Kommunen bauen die lokale Infrastruktur für eine umfassende Datenerfassung auf– Tablets, Plattformen, Clouds, digitale Identitäten. Das geschieht unter dem Etikett von Modernisierung und Teilhabe. Tatsächlich aber werden Schulen und Kitas in die Logik Smart-City und Datenökonomie integriert. Bildungseinrichtungen werden Teil einer umfassenden digitalen Steuerungsarchitektur. Und schon heute weiß niemand verbindlich, welche Daten an die Hersteller zurückfließen und was damit gemacht wird. Big Data bedeutet ja vor allem Intransparenz für die Nutzer und Abhängigkeit von der Willkür der Konzerne.

Peter Hensinger: Welche Auswirkungen hat das geplante autonome, von Algorithmen gesteuerte Lernen und die Degradierung des Lehrers zum Lerncoach für die pädagogische Atmosphäre und die soziale Entwicklung des Kindes?

Ralf Lankau: Die derzeit im Koalitionsvertrag geplante Ausrichtung von Schule auf algorithmisch gesteuertes Lernen – verbunden mit der Degradierung der Lehrkraft zu „Lerncoaches“ und Sozialaufsicht hat weitreichende Folgen für die pädagogische Atmosphäre, die soziale Entwicklung von Kindern und die demokratische Zukunft unserer Gesellschaft. Denn gerade Kinder lernen mit und für die Lehrkräfte, es ist im Idealfall ein Wechselspiel aus Vermittlung und Resonanz. Wird Lernen an digitale Systeme delegiert, verschiebt sich der pädagogische Fokus von Beziehung und Bindung zu Auswendiglernen und Repetition. Wenn ich für eine Prüfung „richtig büffeln“ muss, kann so ein Abfragetool hilfreich sein, aber es bleibt Lernbulimie, weil eine Software ja nicht “weiß“, was sie vermittelt und warum und welche Bedeutung Lerninhalte für sich und im Kontext mit anderen Disziplinen haben. und die pädagogische Atmosphäre verändert sich grundlegend: Sie wird emotionslos und instrumentell, funktional.

Peter Hensinger: Medienpädagogen argumentieren aber: Algorithmisch gesteuertes Lernen könnte durch die Individualisierung des Lernweges viel besser auf das Kind eingehen wie ein Lehrer oder ein Buch!

Ralf Lankau: Algorithmisch gesteuertes Feedback kann keine menschliche Rückmeldung ersetzen. Kinder arbeiten isoliert an personalisierten Aufgaben, in unterschiedlichen Tempi und können sich dadurch nicht mehr gegenseitig helfen, werden permanent bewertet und früh kategorisiert. Soziale Lernprozesse – das Miteinander arbeiten an Aufgaben, Konfliktfähigkeit, Empathie, Solidarität – treten in den Hintergrund. Die Entwicklung emotionaler und sozialer Kompetenzen wird geschwächt.

Gesellschaftlich hat diese Form von Unterricht gravierende Folgen. Ein System, das Kinder an permanente Leistungsvermessung und (Sebst)Kontrolle, Selbstoptimierung und algorithmische Steuerung gewöhnt, fördert keine mündigen Bürgerinnen und Bürger, sondern angepasste, kontrollierte Subjekte. Mehr Digitalisierung und mehr algorithmische Steuerung werden die bestehende Bildungskrise daher nicht lösen, sondern eher verschärfen. Sie beruhen auf jener technokratischen Konzeption von Bildung, die maßgeblich zu dieser Krise beigetragen hat. Eine zukunftsfähige Bildungspolitik muss stattdessen auf pädagogische Beziehung, professionelle Lehrkräfte, soziale Entwicklung und demokratische Mündigkeit setzen – nicht auf Kontrolle, Vermessung und Automatisierung.

Rückbesinnung: Der Lehrende als Motivator und der soziale Klassenverband als Mittelpunkt (Bild:Pexels, Max Fischer)
Rückbesinnung: Der Lehrende als Motivator und der soziale Klassenverband als Mittelpunkt (Bild:Pexels, Max Fischer)

Peter Hensinger: Sie plädieren für eine Rückbesinnung auf das humboldtsche Bildungsideal. Warum ist das heute noch relevant?

Ralf Lankau: Weil Humboldt Bildung nicht als Ausbildung, sondern als Selbstbildung verstand. Der Mensch ist kein Mittel zum Zweck, sondern Zweck an sich, wie eingangs formuliert. Bildung dient der Entwicklung von Urteilskraft, Verantwortung und Freiheit. Die Schüler-ID hingegen verwandelt Bildungs- und Lernprozesse in ein Verwaltungs- und Kontrollprojekt. Damit wird nicht verhindert, dass Kinder verlorengehen – vielmehr geht verloren, was Bildung eigentlich ausmacht.

Peter Hensinger: Sie sprechen von einer notwendigen pädagogischen Wende. Worin besteht sie konkret?

Ralf Lankau: Die pädagogische Wende bedeutet, sich von der Illusion zu verabschieden, man könne Bildung „produzieren“ wie ein Konsumgut und durch mehr immer mehr Daten retten. Die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, hat es gerade in einem Interview auf den Punkt gebracht. Wir brauchen nicht immer mehr Daten und noch mehr Daten bis in die dritte Nachkommastelle, sondern qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte, Betreuerinnen und Betreuer:

„Wir können ohne Ende über datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung reden. Das Wesentliche findet im Unterricht statt. Die Interaktion zwischen Lehrkräften und Schülern ist entscheidend. Und die wird nicht durch Daten gemacht, sondern die wird durch die Professionalisierung der Lehrkräfte erreicht, durch gute Aus-, Fort- oder Weiterbildungen.“ Lin-Klitzing (msn.com, 13.01.2026)

Das Bündnis für humane Bildung formuliert dazu klare Eckpunkte: weniger Standardisierung, mehr Beziehung; Datensparsamkeit statt Datensammelwut; pädagogische Autonomie in den Schulen statt algorithmischer Standardisierung und Steuerung. Schule muss wieder Zeit, Vertrauen und Freiheit ermöglichen.

Schule muss sich wieder auf ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag besinnen. Unterrichten ist ein dialogischer Prozess, kein technisches Verfahren. Oder, um Peter Bieri zu zitieren: Bildung heißt nicht, etwas zu können, sondern jemand zu werden. Ich zitiere den Einstiegssatz von Peter Bieri und seinem Vortrag: „Wie wäre es, gebildet zu sein?“ aus dem Jahr 2005:

„Bildung ist etwas, das Menschen mit sich und für sich machen: Man bildet sich. Ausbilden können uns andere, bilden kann sich jeder nur selbst. Das ist kein blosses Wortspiel. Sich zu bilden, ist tatsächlich etwas ganz anderes, als ausgebildet zu werden. Eine Ausbildung durchlaufen wir mit dem Ziel, etwas zu können. Wenn wir uns dagegen bilden, arbeiten wir daran, etwas zu werden – wir streben danach, auf eine bestimmte Art und Weise in der Welt zu sein.“ (Bieri, 2005)

Dieses Streben, „auf eine bestimmte Art in der Welt zu sein“ und darin selbstbestimmt und reflektiert agieren zu können, ist der eigentliche Bildungsauftrag allgemeinbildender Schulen. Darüber sollten wir uns verständigen, nicht über immer kleinteiligere Kompetenzraster und -stufen und den idealen Methoden der Vermessung von Kompetenzen.

Peter Hensinger: Was schlagen Sie kurzfristig und was langfristig vor?

Ralf Lankau: Kurzfristig braucht es einen Stopp der verpflichtenden Schüler-ID, keine Verknüpfung mit der Bürger-ID und bildschirmfreie Räume für Kinder. Langfristig brauchen wir eine Besinnung auf pädagogische Konzepte, die Bildungsprozesse wieder als menschliche Praxis des Erziehens und Unterrichtens begreifen. Der Appell der 75 Expertinnen und Experten (https://die-pädagogische-wende.de/aufruf-bildungspolitik-2025/) fordert genau das: Recht auf analoges Lernen, demokratische Kontrolle digitaler Infrastrukturen, die Hoheit über Daten und Datensysteme (digitale Souveränität) und eine Bildung, die Selbstbestimmung zum Ziel hat und ermöglicht– wie es in allen Landesverfassung als Bildungsauftrag steht.

Peter Hensinger: Es bleibt aber das zentrale Problem: Digitalisierung und KI setzen sich tsunamiehaft durch. Kinder und Jugendliche müssen darauf vorbereitet werden, wie werden sie medienmündig? Was ist das Konzept der antizyklischen Medienbildung?

Ralf Lankau: Antizyklische Medienbildung, wie sie Dr. Nils B. Schulz in seinem Artikel „Anders als Maschinen schreiben – Ein Plädoyer für „antizyklische“ Medienbildung in digitalen Zeitalter“ entwickelt, bedeutet, nicht dem digitalen Hype hinterherzulaufen, sondern gezielt Gegenkompetenzen aufzubauen: Schreiben ohne KI, Denken ohne Assistenz, Lesen ohne Ablenkung. Sie stärkt den Menschen gegenüber der Maschine – und genau das ist heute die zentrale Bildungsaufgabe.

Man muss einen weitverbreiteten Irrtum korrigieren: Medienmündigkeit entsteht ja nicht dadurch, dass Kinder möglichst früh und möglichst intensiv digitale Geräte nutzen. Das Gegenteil ist der Fall. Wer zu früh und zu einseitig digital sozialisiert wird, lernt nur Medien zu bedienen und gewöhnt sich daran bis zur Sucht. Elke Heidenreich hat gerade beschrieben, dass selbst sie als Erwachsene sich dem Sog von Reels nicht entziehen konnte:

„Ich habe monatelang Reels geguckt, täglich, über Stunden, und es brauchte lange, bis ich begriff: Das frisst mein Leben, meine Zeit, meine Augen, meine Gesundheit. Meinen Verstand. Ich verblöde.“ (Heidenreich 2026)

Aber Kinder sind so diszipliniert, dass sie den Quatsch abschalten?

Peter Hensinger: Sie schalten den Quatsch nicht ab, im Gegenteil, die Nutzungszeiten werden immer länger. Das in den Griff zu bekommen ist heute eine große Herausforderung in Familien und Schulen. Wie darauf reagieren?

Ralf Lankau: Das Ziel ist nicht Technikbeherrschung, die Geräte sind eh´ kinderleicht zu bedienen, sondern Urteilsfähigkeit. Kinder und Jugendliche sollen verstehen, wie digitale Systeme funktionieren, welche Interessen hinter ihnen stehen und wie sie das eigene Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen. Dazu braucht es Fähigkeiten, die nicht digital entstehen: konzentriertes Lesen, eigenständiges Schreiben, argumentatives Denken, leibliche Erfahrung, soziale Interaktion.

In der Praxis heißt das: Digitale Medien werden nicht per se verboten oder ausgeschlossen, sondern altersbedingt kontextualisiert. Ihre Nutzung wird zum Gegenstand der Analyse und Reflexion. Jugendliche lernen, wie Profiling, Nudging, Data Mining und Vorhersagealgorithmen funktionieren, warum KI kein einfaches Werkzeug, sondern ein Machtinstrument ist, und warum Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung nicht nur Privatsache, sondern eine demokratische Frage ist.

Wesentlich ist dabei der Perspektivwechsel: Nicht Wie nutze ich KI möglichst effizient?, sondern Was macht KI mit mir und will ich das überhaupt? Man muss Systeme nicht nutzen, wenn sie uns mehr schaden als nutzen. Wir sind selbst handlungs- und entscheidungsfähig. Antizyklische Medienbildung stärkt damit Selbstbestimmung statt Anpassung. Sie befähigt junge Menschen, digitale Angebote abzulehnen und selbst auszuwählen, was sie nutzen, Grenzen zu setzen und analoge Räume zu verteidigen. medienmündig ist nicht, wer alles nutzen und für was. In einer Welt, die Kinder frühzeitig zu Datenspendern, Konsumenten und verwertbaren Profilen machen will, ist antizyklische Medienbildung die Voraussetzung für Freiheit.

Zusammengefasst: Antizyklische Medienbildung verhindert digitale Abhängigkeit und stärt stattdessen menschliche Fähigkeiten. Sie befähigt Kinder, sich in einer digitalen Welt zu orientieren, ohne sich ihr auszuliefern. Erst auf dieser Grundlage kann der reflektierte Umgang mit KI und digitalen Medien gelingen – nicht als Anpassung, sondern als selbstbestimmte Praxis.

Peter Hensinger: Herr Lankau, danke für das Interview. Gerade jetzt, wo weltweit über Smartphone- und Social Mediaverbote und die Rechtspopulisten ihren Einfluss bei der Jugend gerade auch diesen Medien verdanken, muss die Grundsatzkritik, die Sie formulieren, viel intensiver geführt werden.


Literatur und Quellen

(Stand: 19.1.2026)

Bieri, Peter (2005) Wie wäre es, gebildet zu sein? https://www.nzz.ch/articleDAIPS-1.182217 (15.1.2026)

Bock, Annekatrin (Herausgeber); Breiter, Andreas (Herausgeber); Hartong, Sigrid (Herausgeber); Jarke, Juliane (Herausgeber); Jornitz, Sieglinde (Herausgeber); Lange, Angelina (Herausgeber); Macgilchrist, Felicitas (Herausgeber) (2023) Die datafizierte Schule; Springer (Open Access): https://d-nb.info/1261349784

Dieckhoff, Anton; Thomas Jahn, Thomas (2025) KI: Amazon und OpenAI verhandeln über engere Zusammenarbeit. Amazon könnte zehn Milliarden Dollar in den KI-Anbieter investieren. OpenAI würde dafür die KI-Chips von Amazon nutzen – was ein Durchbruch für den Onlinekonzern wäre. (…) OpenAI hat inzwischen langfristige Verträge mit Nvidia, Oracle, AMD und Broadcom über die Lieferung von Chips und weiterer IT-Infrastruktur im Umfang von insgesamt rund 1,5 Billionen US-Dollar abgeschlossen.Handelsblatt, 17.12.2025; https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-amazon-und-openai-verhandeln-ueber-engere-zusammenarbeit/100184575.html (15.1.2026)

Hartong. Sigid (2019) Learning Analytics und Big Data in der Bildung. Zur notwendigen Entwicklung eines datenpolitischen Alternativprogramms; https://www.hsu-hh.de/ggb/wp-content/uploads/sites/679/2019/11/2019Hartong_Learning-analytics_GEW.pdf

Heidenreich, Elke (2026) Social Media: Brokkoli: ist und bleibt scheiße, in SZ vom 8. Januar 2026

Herrmann, Sebastian (2026) Warum Forscher aus denselben Daten entgegengesetzte Schlüsse ziehen, in: SZ vom 13.01. 2026, https://www.sueddeutsche.de/wissen/ergebnisse-genaue-erhebung-einstellungen-forscher-analyse-li.3366101

Ifenthaler, Dirk (2025) Bildungsdatenwissenschaft: ein Paradigmenwechsel für die Methodologie der Erziehungswissenschaft?, in Erziehungswissenschaft Heft 70, Jg. 36/2025, S. 35-45, https://doi.org/10.3224/ezw.v36i1.05

Lankau, Ralf (2025) Bildungs-TÜV statt Pädagogik. Schüler-ID und Bildungsverlaufsregister als Instrumente der Normierung und Standardisierung von Kompetenzen; https://die-pädagogische-wende.de/bildungs-tuev-statt-paedagogik/

Schiefner-Rohs, Mandy [Hrsg.]; Hofhues, Sandra [Hrsg.]; Breiter, Andreas [Hrsg.] (2024) Datafizierung (in) der Bildung. Kritische Perspektiven auf digitale Vermessung in pädagogischen Kontexten

Schulz, NIls B. (2025): Anders als Maschinen schreiben – Ein Plädoyer für „antizyklische“ Medienbildung im digitalen Zeitalter

Schwarze, Marcus (2025) Neues KI-Modell: Deepseek aus China schlägt ChatGPT – und kostet deutlich weniger. Die großen US-Konzerne entwickeln immer teurere KI-Modelle. Deepseek, ein Start-up aus China, erreicht in Vergleichstests nun eine bessere Qualität als Open AIs Flaggschiff GPT-4o – und kostet nur einen Bruchteil. in: FAZ vom 02.01.2025; https://www.faz.net/pro/digitalwirtschaft/kuenstliche-intelligenz/ki-deepseek-aus-china-schlaegt-chatgpt-4o-und-kostet-viel-weniger-110203356.html (15.1.2026)