Aufruf zur Besinnung: Humane Bildung statt Metrik und Technik

Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurden im gesamten Bundesgebiet Schulschließungen und Fernbeschulung veranlasst. In der Folge intensivierten sich die Forderungen nach der unverzüglichen digitalen Transformation von Schule und Unterricht. Beschlossen wurden die Aufrüstung der Schulen (Server, WLAN), Fortbildungen und Endgeräte für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie der Auf- und Ausbau von Schulclouds, mehr Onlinedienste und digitale Tools für den Unterricht. Es geht also nur um Technik? Von Matthias Burchardt und Ralf Lankau

Kontrolle scheint gut – Vertrauen trägt weiter

Die Corona-Welle reiten 04: Über Digitalisierung und Unterricht: Ein Nebeneffekt der Covid-19-Pandemie ist die Notlösung Fernunterricht und der verstärkte Einsatz digitaler Techniken für das Homeschooling. Wie erwartet fordern IT-Verbände, den aktuell notwendigen Einsatz dieser Techniken zu verstetigen. Erstaunlicher dürfte sein, dass auch Lehrerverbände die Argumentation pro Digitaltechnik und Fernunterricht übernehmen. Sie vergessen, dass Digitaltechnik vor allem zur Automatisierung, Kontrolle und Steuerung von Prozessen dient und daher für die pädagogische Arbeit kontraproduktiv ist. Denn beim Unterrichten geht es um Beziehung und Vertrauen.

Corona und Digitale Bildung: Digitallobby beutet Ängste aus

„Widerspruch auf ganzer Linie“, meldet Dr. Matthias Burchardt an, „digitale Fernbeschulung ist kein Ersatz, sondern das Gegenteil von schulischer Bildung.“ Dr. Burchardt ist Bildungsphilosoph an der Universität Köln und spricht für das „Bündnis für humane Bildung“. Pressemitteilung Bündnis für humane Bildung (05.05.2020).

Die Corona-Welle reiten 03: Covid-19 als politischer Virus

Unter dem Deckmantel der Covid-19-Pandemie werden derzeit nicht nur Bildungseinrichtungen systematisch auf Digitalisierung getrimmt. Auch das Gesundheitssystem soll sich den Parametern der Daten-Ökonomie unterordnen, wie die aktuelle Diskussion über die Corona-App zeigt. Dabei reichen vier Forderungen zur IT-Entwicklung, um demokratisch legitimierte Alternativen zu entwickeln.

Die Corona-Welle reiten 02: G Suite for Education

Das erzwungene Schließen der Schulen wegen der Corona-Pandemie drei Wochen vor Ostern und die damit verbundene Verlagerung der Kommunikation zwischen Lehrerinnen, Lehrern und Schülern auf digitale Kanäle führt zu seltsamen Auswüchsen. Eine Privatschule ordnet den Umgang mit personenbezogenen Daten der Schülerinnen und Schüler ganz den Anforderungen von Google unter. Wer Kinder in der Schule hat, sollte solche Nutzungsbedingungen nicht unterschreiben und einen Schulwechsel erwägen.

Die Corona-Welle reiten 01: Digital first und Mobil only

Beispiel Schule und Unterricht. Viele Akteure in Bildungseinrichtungen erleben gerade ein Déjà-vu. Digitalisten und Daten-Ökonomen nutzen die Corona-Pandemie, um ihre lange bekannten Digitalisierungsstrategien und darauf aufbauende Geschäftsmodelle zu propagieren.